Fashionweek Paris: Kaiser Karls letzte Kollektion

Die Fashionweek von Paris endete am letzten Dienstag mit Karl Lagerfelds letzter Kollektion für Chanel. Überzeichnete Proportionen, eine dunkle Eleganz gemischt mit grellen Farben machen die Mode des nächsten Herbstes zum Spiel mit dem Kontrast.

copyright Kenzo Barzucchetti

Ein letztes Mal konnten die geladenen Gäste Karl Lagerfelds Modelle unter dem hohen Glasdach des Grand Palais entdecken, in einer dieser grossartigen Inszenierungen, für die der Verstorbene das Flair hatte. Kunstschnee, lebensgrosse Chalets und verschneite Berggipfel verwandelten diesmal den Grand Palais für seine letzte Kollektion „Chanel in the Snow“ in eine märchenhafte Wintersportstation.

Bevor es aber losging, hielten die Gäste bedrückt eine Schweigeminute. Dann erk>

Das ist ganz im Sinne Karls. Der grosse Abwesende hat mit seinen XL-Mänteln in riesigem Hahnentrittmuster und extrem weiten, boden>Backstage-Bereiches während einiger Sekunden. Dort ist der Modeschöpfer jeweils in seinem steifen Gang erschienen. Diesmal grüsste seine >

So richtig parisisch

Obwohl Karls Ära nun abgeschlossen ist, lebt seine prägnante schwarz-weisse Silhouette und Cocos Sinn für den Tragkomfort weiter. Nicht nur bei Chanel. Viele fluide schwarz-weisse Modelle besitzen in Balmains Kollektion genau diesen Stil und Hedi Slimane, der Karl sehr geschätzt hat, zeigte für Celine mit Goldlitzen eingerahmte Tweedjacken, wie Coco sie einst getragen hatte.  Überhaupt ist dem 50jährigen Stardesigner eine seiner besten Kollektionen gelungen. Diesmal entwarf der sonst so rockige Modemacher eine echt parisische Kollektion mit >

Kuriose Kreaturen

Klar sind auf den Laufstegen der Fashionweeks solche Visionen der hochkarätigen Modedesigner immer etwas zu zugespitzt. Und dennoch fliesst der Haupttenor oder ein kleines Detail in den Mainstream: irgendein Kleidungsstück des nächsten Herbst- und Winterlooks muss deshalb überdimensional und wuchtig sein. Dieses Spiel mit den Volumen treibt Comme des Garçons mit regelrechten Kugelröcken, Hosenbeinen so dick wie Schinken oder breiten Lederschulterpatten und riesigen Ohrlappen zu weit. Alles in schwarz. Das ergibt kuriose Kreaturen zwischen Punk, Dschihad und Sexyness in Netzstrümpfen.

Neue Designer

Nina Riccis neue Designer Rushemy Botter (33) und Lisi Herrebrugh (29) spielen ebenso mit den Volumen, möbeln das altbekannte Label aber mit einem schlichten Minimalismus auf. Die Minikleider der beiden Holländer, die auch privat ein Paar sind, bestehen nur aus einem Rechteck, das durch einen Tüllrausch verbreitert wird. Auch Lanvin, dem ältesten französischen Modehaus, muss der neueingestellte Chefdesigner Bruno Sialelli neues Leben einhauchen. Denn seit dem niederschmetternden Ausstieg im Jahre 2015 von Lanvins ehemaligem Stardesigner Alber Elbaz ist es keinem seiner Nachfolger gelungen, an dessen Erfolg anzuknüpfen. Sialelli liefert nun eine bequeme Tagesgarderobe in sehr fluiden, >

Aus dem Dunkeln ins Neonlicht

Hell- und Königsblau, Knallrot und Lila ergänzen die mehrheitlich sehr dunkel gehaltenen Kollektionen. Schwarz sowie erdige oder bläulich-grüne Wassertöne wiederspiegeln unseren unheimlichen Zeitgeist. Doch dass man den Weg aus der verbalen Gewalt und den politischen Machtspielen finden muss, beweisen die Modedesigner mit ein paar ganz bunten Modellen. Vor allem Nicolas Guesquière führt bei Louis Vuitton aus der Dunkelheit ins Licht  mit den starken Farben und Mustern eines Piet Mondrians. Bei Saint Laurent leuchten die Kugelpelzmäntel und Stilettos in Neonfarben. Und Balenciagas Frau wirkt im hautengen Pinkpulli wie eine virtuelle Skulptur.

Die Modetrends 2017

Um den tierischen Ernst aus dem Alltag zu verjagen, vergnügt sich die Mode des nächsten Jahres hemmungslos mit weiblichen Reizen und hoffnungsvollen Blumen.

Gucci

Das Modejahr 2017 liest sich wie die historischen Romane „Désirée“ oder „Die Rosen von Malmaison“. Transparenz, Prunk und Kitsch, wie sie sich nach der französischen Revolution von 1789 im Stil Directoire und Empire ausgedrückt haben, zählen erneut zum guten Geschmack. Damals hatte man sich von der Aristokratie befreit bis der Parvenü Napoleon Bonaparte die Macht ergriffen und sich zum Kaiser gekrönt hat. Donald Trumps Wahl ins Weisse Haus und das Aufkommen von Europas Populisten sind die heutigen Zeichen gesellschaftlicher Umstürze, während denen die Mode jeweils ausschweift. Herkömmliche Baumwolle und Leinen, männliche Hemden und Hosenanzüge müssen deshalb aus dem Schrank verschwinden. Ganz nackt unter einem leichten Gewand aus transparentem Musselin hat die einflussreiche Verführerin Thérésa Tallien die Gäste aus Politik und Diplomatie 1794 in ihrem berühmten Pariser Salon empfangen. Solche Negligees in Schwarz, Weiss oder Pastell sind im kommenden Sommer das unumgängliche Outfit für Partys und Vernissagen… Lire la suite